​29.03.2019

Künstliche Intelligenz im Alltag und in der Kreativbranche - Interview mit Jochen Voß

von Eyes & Ears of Europe

Jochen Voß, Geschäftsführer next step next crossmedia, wird die Eyes & Ears Veranstaltung "Storytelling & KI" am 15. Mai 2019 in Köln moderieren. Doch bereits jetzt hat uns interessiert, wie der Digital- und Crossmedia-Experte die technologische Entwicklung und den Einfluss künstlicher Intelligenz auf unsere Branche einschätzt. Eyes & Ears hat nachgefragt!

Inwiefern nutzt du bereits KI bei deiner täglichen Arbeit?

Künstliche Intelligenz ist bei meiner täglichen Arbeit unmerklich allgegenwärtig. Ob Rechtschreibprüfung oder Sprachbefehl, Such- und Vorschlagsalgorithmen bei der täglichen Web-Recherche, ausgespielte Werbung und die dazugehörigen Werbemittel oder das Videospiel nach Feierabend: Künstliche Intelligenz hat schon längst Einzug in den Alltag gehalten. Neu sind hingegen die zahllosen Möglichkeiten und Einsatzzwecke, für diese hochkomplexe Form der Informationsverarbeitung.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten siehst du für die Technik? Wo lassen sich beispielsweise Sprachassistenten sinnvoll einsetzen?

Schlicht gesagt: Überall dort, wo Sprache zum Einsatz kommt - ob gesprochen oder schriftlich. Ein naheliegender Schritt ist es, die doch recht umständliche Kommunikation mit Maschinen, die wir derzeit per Knopfdruck, Touch, Geste oder Tastatureingabe erledigen, für uns Menschen organischer zu gestalten. Dafür bedarf es allerdings mehr als einer Spracheingabe, die auf simplen Befehlen beruht wie "Hey Siri, was läuft heute im Kino?". Eine der nächsten Ausbaustufen könnte ein nahezu natürlicher Dialog in fast allen Lebenslagen sein, bei dem - zumindest in puncto Sprachqualität - nicht mehr auffällt, dass ich mit einer Maschine spreche, und die Maschine mich versteht, auch wenn ich vom Protokoll abweiche.

Allein in diesem Segment liegt viel kreatives Potential. Geht es um zweckgerichtete Kommunikation wie zum Beispiel im Marketing, müssen all die Markenwerte und Botschaften, die heute noch visuell transportiert werden, sprachlich zum Ausdruck kommen - die Assistenten brauchen eine Persönlichkeit, die sich über Satzbau, Wortwahl, Modulation und viele andere Aspekte ausdrücken kann. Eine hochkreative Konzeptionsaufgabe!

Wie können Technologie und Kreativität eine produktive Verbindung eingehen? Wie wird die Kreativbranche verändert, wenn komplexe Algorithmen kreative Aufgaben wie Drehbücher schreiben übernehmen?

Künstliche Intelligenz heißt ja nichts anderes, als dass automatisierte Systeme auf der Grundlage von Wissen, Beobachtung und Vorhersage Entscheidungen fällen. Sie kann überall dort eine spannende Unterstützung für Kreative sein, wo es darum geht, große und komplexe Datenmengen überschaubar zu halten und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen - zum Beispiel in komplexen Spiel-Handlungen oder unzähligen individuellen Varianten interaktiver Geschichten in Form von Chats oder Unterhaltungen, die vielleicht den Roman als Erzählform ergänzen. Langfristig wird die Automatisierung durch künstliche Intelligenz die so genannten Fleißarbeiten erledigen, so wie wir es auch schon in anderen Industriesegmenten erlebt haben. Damit können oder müssen - je nachdem wie man es sieht - sich die Kreativen wieder stärker auf die Königsdisziplin besinnen: Idee und Konzept.

Ist Künstliche Intelligenz gekommen, um zu bleiben oder verbirgt sich hinter der Technologie ein kurzlebiger Hype?

Künstliche Intelligenz ist ein langfristiges Thema, das die Menschen schon seit dem 18. Jahrhundert beschäftigt - wenn nicht sogar seit der Antike. Erst jetzt sind allerdings die technischen Möglichkeiten vorhanden, die eine alltäglich nutzbare Realisierung dieser Vision mit exponentiellem Tempo beschleunigen. Ähnliche Entwicklungsstufen ließen sich zum Beispiel auch in der Digitalisierung und der Virtual Reality beobachten. Zudem steht das Konzept der Künstlichen Intelligenz nicht für sich allein, sondern kann integriert in andere Technologien - von mobile Computing bis hin zu Bio-Technologien - völlig neue Dimensionen von Medien und Menschsein entwickeln, die mit heute gängigen Konzepten nur schwer greifbar sind.


Vielen Dank an Jochen Voß für die spannenden Antworten!

Diese und weitere Themen werden bei unserer Veranstaltung "Storytelling & KI - Von Aristoteles bis Alexa" mit der Stadt Köln und dem Mediennetzwerk.NRW am 15. Mai in Köln behandelt werden.

Für weitere Informationen zu der Veranstaltung: https://eeofe.org/de/kalender/events/mai-2019/storytelling-ki/

Für weitere Informationen zu dem Moderator unserer Veranstaltung: https://www.nextstepnext.de/ und https://www.crossvoss.com/

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