eSPORTS1, der erste lineare eSports TV-Sender in Deutschland, Österreich und der Schweiz, ist am 24. Januar gestartet. Er ist ein Ableger des Senders SPORT1, der sich bereits zuvor dem Thema eSports in Form von Turnier-Übertragungen im Free-TV, eines Online-Channels und einer eigenen eSports-App widmete. Die Etablierung eines eigenen Pay-TV Senders ist ein weiterer Schritt, um die E-Sports Community zu erreichen. 

Gruppenbild mit (v.l.n.r.) Daniel von Busse (COO TV und Mitglied der Geschäftsleitung der Sport1 GmbH), Olaf Schröder (Vorstandsvorsitzender der Constantin Medien AG und Vorsitzender der Geschäftsführung der Sport1 GmbH), Ruth Hofmann (SPORT1 Moderatorin) und Siegfried Schneider (Präsident der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien), umrahmt von den Cosplayerinnen Katti Chocolate Cosplay und Calisto Cosplay ©SPORT1 | Nadine Rupp

Damit stellen sie sich der Herausforderung der "Kostenloskultur" bei eSports, nutzen aber auch den Fakt, dass im Bereich eSports bei Paid Content noch Luft nach oben ist. Denn die Zahlungsbereitschaft für eSports-Inhalte hat sich von 2017 bis 2018 verdreifacht. (Quelle)

Doch wie kommt man zu der Entscheidung, einen linearen TV-Sender für eine Zielgruppe zu starten, die sich immer weiter weg von linearem Programm bewegt? Muss ein solcher Sender anders beworben werden als "normales" Sport-Programm? Und verstehen die klassischen Zuschauer diesen Content überhaupt? Eyes & Ears hat nachgefragt.

Daniel von Busse, COO TV und Mitglied der Geschäftsleitung der Sport1 GmbH, beantwortet im Interview Fragen von Eyes & Ears zu eSPORTS1!

eSPORTS1 ist der erste lineare TV-Sender in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bisher wurde eSports primär auf Streaming-Plattformen verfolgt. Was hat SPORT1 dazu bewegt, nun einen Sender nur für eSports zu starten?

Mit unserem neuen Sender eSPORTS1 unterstreichen wir unsere Vorreiterrolle im Bereich eSports und bauen unser Engagement weiter aus. Durch den Start des ersten eSports-Senders im deutschsprachigen Raum werden wir noch stärker dazu beitragen, die Präsenz und Akzeptanz dieser jungen Sportart weiter voranzutreiben – sowohl bei den Zuschauern, als auch bei werbetreibenden Unternehmen, Branchenverbänden aus Wirtschaft, Sport und Medien sowie in der Politik. Wir verfolgen das Ziel, das Thema eSports in Deutschland einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Heraus aus der vermeintlichen Nische, hin zum Massenpublikum.

Wie unterscheidet sich das Design, die Promotion & das Marketing für einen eSports-Channel von dem für einen klassischen Sport/Fernseh-Sender?

Die Gesamtgestaltung ist für die jüngere Zielgruppe der 14-29-jährigen Männer, die beim Thema eSports angesprochen werden, ausgelegt. Es werden sich viele Elemente, die auch aus dem „klassischen TV“ bekannt sind, wie zum Beispiel das Studio, Experten und Augmented Reality wiederfinden. Nichtsdestotrotz werden wir auch innovative Konzepte ausprobieren..

Sendestart für neues eSPORTS1 Studio in Ismaning bei München ©SPORT1 | Nadine Rupp

Wie lassen sich die Zielgruppen von eSports mit den Zielgruppen von linearem Fernsehen verbinden? Wie spricht man eSports-Fans, die ja eine sehr spezifische Zielgruppe darstellen, an, um sie zurück zum linearen Fernsehen zu holen?

In Zeiten von Twitch.tv und anderen Livestreaming-Plattformen, auf denen Video Content zumeist ungefiltert angeboten wird, wollen wir Produkte schaffen, die dem Zuschauer einen deutlichen Mehrwert bieten und ihm gleichzeitig den generellen Zugang zum Thema eSports erleichtern. Der internationale eSports-Kalender ist sehr fragmentiert: SPORT1 fungiert in diesem komplexen eSports-Kosmos als Kompass und bietet durch unsere eigene eSports-Redaktion eine wichtige Einordnung der Events sowie Analysen zu Teams und Akteuren.

Auf Twitch tummeln sich vorwiegend hartgesottene eSports-Fans. Wir wollen auf unserem neuen Sender eSPORTS1 und auch im Free-TV eSports der Gesellschaft näherbringen. Im TV kann eSports dabei ‚nur‘ funktionieren, wenn wir Spiele, Themen und Sachverhalte einfach, unkompliziert und verständlich für jedermann aufbereiten. Die Zielgruppe ist also eine andere, breitere.

Neben der redaktionellen Einordnung spielt auch der Fokus auf deutsche eSports-Aktivitäten eine größere Rolle bei uns als auf internationalen Online-Video-Plattformen.

Twitch ist eine Live-Streaming-Video-Plattform der Firma Twitch Interactive, einer Tochtergesellschaft von Amazon. Die im Juni 2011 als Spin-off der General-Interest-Streaming-Plattform Justin.tv eingeführte Website konzentriert sich vor allem auf Videospiel-Livestreaming, einschließlich der Übertragung von eSport-Wettbewerben, sowie auf Musiksendungen, kreative Inhalte und seit kurzem auch auf "in real life"-Streams. Die Inhalte der Website können entweder live oder per Video on Demand betrachtet werden. (Quelle)

Ist eSports im Mainstream angekommen? Oder befinden wir uns immer noch in einer medialen Nische?

Die Entwicklung von eSports weltweit und in Deutschland ist rasant. Laut einer Studie der Marktforschungsagentur Newzoo gab es 2018 weltweit 165 Mio. eSports-Fans, dazu kamen noch 215 Mio. Gelegenheitszuschauer. Es handelt sich also nicht um einen kurzlebigen Hype: eSports ist gekommen, um zu bleiben. Der Boom wird weitergehen. Die Sportart wird in der jungen Zielgruppe immer populärer und füllt inzwischen weltweit Stadien und Arenen. Auch die Gamescom als größtes Gamingevent in Deutschland zieht jährlich mehr als 350.000 Besucher an. Mehr und mehr investieren auch große Player aus klassischen Sportarten in eSports, darunter in Europa die Topklubs Manchester City, Paris Saint-Germain oder Ajax Amsterdam und in Deutschland unter anderem Schalke 04, der VfL Wolfsburg, der VfB Stuttgart und RB Leipzig.

Wie aufwendig ist die Aufbereitung im Gegensatz zu klassischen Sportarten? Können auch eSports-Laien dem Geschehen folgen? Wie wird sichergestellt, dass Neueinsteiger nicht überfordert sind und "Heavy User" sich nicht langweilen?

Bei der Herangehensweise an eine eSports-Übertragung erkennen wir viele Parallelen zu anderen Sportarten. Einiges erscheint beim eSports zwar noch etwas ungewohnt – die Elemente unserer Sendungen sind aber vergleichbar: Auch im eSports zeigen wir so viele Spielsequenzen wie möglich live und nutzen Spielpausen, um redaktionelle Beiträge sowie fundierte Analysen und Einschätzungen einfließen zu lassen. Dabei greifen unsere Experten auf ähnliche Analysetools zurück wie bei anderen Sportarten auch. Unsere eSports-Redaktion und unser renommiertes On-Air-Team mit eigenen Experten für die jeweiligen Titel bieten bei den Events eine umfangreiche Vor- und Nachberichterstattung sowie Analysen aus unserem eigenen eSports-Studio mit Augmented-Reality-Elementen.

eSPORTS1 berichtet über die bekanntesten eSports-Titel wie unter anderem League of Legends, Dota 2, Counter-Strike, Overwatch oder FIFA 19. Das 24/7-Programm des Pay-TV Kanals umfasst dabei mindestens 1.200 Live-Stunden von internationalen und nationalen eSports-Events sowie Highlight-Sendungen und eigenproduzierte Magazine. Die Programminhalte werden von einer eigenen Redaktion gemeinsam mit Experten und Influencern aus der deutschsprachigen eSports-Community für die Zielgruppe in Deutschland, Österreich und der Schweiz kuratiert, redaktionell aufbereitet und präsentiert. Zahlreiche große eSports-Events werden auf Deutsch kommentiert und aus einem eigenen Studio gesendet. Das Magazin „Inside eSports“ liefert zudem einen kompakten Überblick zu allen bekannten eSports-Titeln und Wettbewerben und versorgt die Zuschauer mit aktuellen News und Hintergrundberichten. (Quelle)