​23.02.2026

Seven.One Studios bündelt Innovation unter dem Label brAInbox

von Eyes & Ears of Europe

Eyes & Ears of Europe
Christian Leitz von Ferrari
Eyes & Ears of Europe
Markus Untch

Während viele Produktionshäuser aktuell mit KI-Tools experimentieren, geht Seven.One Studios einen Schritt weiter: Mit brAInbox gründet das Unternehmen eine zentrale KI-Einheit, die Ideen, Technologien und Expertise konzernweit bündeln soll. Ziel ist es, künstliche Intelligenz nicht als isoliertes Innovationsfeld zu behandeln, sondern sie systematisch in den Produktionsalltag zu integrieren.

Die neue Einheit wird von Christian Leitz von Ferrari als Head of AI Production geleitet, unterstützt von Markus Untch als Director AI Production. Gemeinsam verantworten sie die Implementierung KI-gestützter Prozesse über alle Produktionstöchter hinweg – darunter RedSeven Entertainment, Pyjama Pictures und Just Friends sowie das internationale Vertriebshaus Seven.One Studios International.

Vom Trend zur Infrastruktur

Bemerkenswert ist weniger die Gründung selbst als die strategische Verankerung: KI wird nicht außerhalb des Kerngeschäfts als experimentelles Labor geführt, sondern direkt im „Maschinenraum“ der Contentproduktion implementiert.

Seven.One Studios setzt dabei auf ein Vier-Säulen-Prinzip:

  1. Scouting neuer Markttrends und Tools
  2. Workshops und Weiterbildung für interne Teams
  3. Implementierung produktionsreifer Prozesse
  4. Effizienz- und Qualitätssteigerung entlang der Workflows

Damit formuliert das Unternehmen einen Anspruch, der über punktuelle Tool-Nutzung hinausgeht. KI soll nicht nur ausprobiert, sondern operationalisiert werden.

Relevanz für Kreation, Promotion und Broadcast-Design

Gerade für die Eyes-&-Ears-Community stellt sich die Frage, welche konkreten Auswirkungen eine solche Zentralisierung haben kann. KI-gestützte Workflows betreffen längst nicht mehr nur Skriptentwicklung oder Datenanalyse, sondern zunehmend auch visuelle Gestaltung, Postproduktion und Promotion.

Im Schnitt können automatisierte Rough-Cuts oder Transkript-basierte Edit-Assistenz Zeit sparen. In der Grafik und im Motion-Design ermöglichen generative Systeme schnelle Iterationen von Layouts oder Visual-Varianten. Im Promotion-Bereich entstehen neue Möglichkeiten für datenbasierte Trailer-Optimierung, Versioning und plattformgerechte Adaption von Content.

Insbesondere die zunehmende Fragmentierung der Ausspielwege – von linearem TV über Mediatheken bis zu Social-Plattformen – erfordert flexible, skalierbare Produktionsprozesse. Eine zentrale KI-Einheit kann hier als infrastruktureller Beschleuniger wirken.

Effizienz oder kreative Erweiterung?

Seven.One Studios betont, mit „brAInbox“ nicht nur Prozesse beschleunigen, sondern auch „neue kreative Räume öffnen“ zu wollen – etwa beim Pitch, im Schnitt oder in der grafischen Ausarbeitung. Entscheidend wird sein, ob sich dieser Anspruch in der Praxis bestätigt.

Denn zwischen Automatisierung und Ästhetik liegt ein Spannungsfeld, das die Branche derzeit neu verhandelt. KI kann repetitive Aufgaben reduzieren und Ressourcen freisetzen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich kreative Entscheidungsprozesse verändern, wenn generative Systeme zunehmend in Konzeptions- und Gestaltungsphasen eingreifen.

Für Broadcast-Designer:innen und Kreative bedeutet das nicht zwingend eine Verdrängung, sondern vielmehr eine Verschiebung der Kompetenzfelder: Kuratieren, Prompten, Steuern und ästhetisches Bewerten werden zu zentralen Fähigkeiten.

Strategisches Signal an den Markt

Mit der Gründung von „brAInbox“ positioniert sich Seven.One Studios klar als Technologie-Akteur innerhalb der Produktionslandschaft. In einem internationalen Wettbewerbsumfeld, in dem Effizienz, Geschwindigkeit und Innovationsfähigkeit zunehmend über Formatentwicklung und Vermarktung entscheiden, kann die strukturelle Integration von KI zum strategischen Faktor werden.

Ob „brAInbox“ primär Effizienzgewinne realisiert oder tatsächlich neue ästhetische Impulse setzt, wird sich in den kommenden Produktionen zeigen. Klar ist jedoch: KI wird nicht mehr nur als Werkzeug gedacht – sondern als Teil der Produktionsinfrastruktur.

Für die Kreativ- und Broadcast-Branche markiert dies einen weiteren Schritt in Richtung einer hybriden Produktionskultur, in der menschliche und künstliche Intelligenz gemeinsam den Maschinenraum des Entertainments gestalten.

Quelle: https://www.dwdl.de/nachrichten/105544/sevenone_studios_gruendet_zentrale_kieinheit_brainbox_/